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Seid wachsam, sonst kommt sie, die Schweizer Scharia

Markus Kellenberger | Mittwoch, 25.08.2010

Nun gibt es also doch keine Unterschriftensammlung für die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Schweiz. Die Initianten sind zur Besinnung gekommen und haben ihr Begehren zurückgezogen. Ich bin sicher: Nicht wenige meiner lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mir täglich vor dem Haus, auf der Strasse, auf dem Märit und am Arbeitsplatz begegnen, bedauern das. Offen dazu stehen wird kaum einer – und das macht mir mehr Angst als die Initiative selber.

Warum das? Weil es hier um eine Befindlichkeit geht, die sich in unserem Land schleichend breit gemacht hat. Jahrelange gezielte Propaganda und ebensolche Provokation volksnaher Parteien hat braunes Gedankengut soweit in unseren Alltag integriert, dass wir es oft nicht mehr als solches erkennen – oder dann biegen wir uns die Wahrheit zurecht. Fremdenfeindlichkeit ist ein gutes Beispiel dafür. Bekannte von mir, bekennende „Linke und Nette“, um es überspitzt zu sagen, haben ihre Kinder in die Steinerschule geschickt. Weil dort mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen wird, so ihre offizielle Erklärung. Nach drei Gläsern Wein im kleinen vertrauten Kreis kommt dann aber die Wahrheit ans Licht. „Es hat dort auch viel weniger Ausländer, also nicht, dass wir etwas gegen sie hätten, aber unser Bub ist halt sensibel, und das mit der Gewalt auf dem Pausenplatz ist nun wirklich ein Problem, und die Integration ist nicht einfach, und blablabla.“ Verstehen Sie, was ich meine?

Mit der Todesstrafe verhält es sich ähnlich. Heute noch lautstark abgelehnt. Morgen schon leises Verständnis dafür. Und Übermorgen?

Foto: Evaldas / flickr / cc


Der Wolf ist tot - es lebe das subventionierte Schaf

Markus Kellenberger | Donnerstag, 12.08.2010

Schafbesitzer sprechen gerne von "ihren" Tieren - und liegen damit ziemlich falsch. Damit das ein für alle Mal klar ist, liebe Schafbesitzer: Die Tiere gehören mir, sowie jedem anderen beliebigen Steuerzahler. In der Schweiz gibt es knapp eine halbe Million Schafe. Pro Tier und Jahr erhält der Halter allein vom Bund rund 100 Franken, darin inbegriffen ist auch der Beitrag zur "Verwertung", sprich "Vernichtung" der Schafwolle, die sich hierzulande nicht verkaufen lässt. Zäune und allfällige (im Wallis meist fehlende) Hirte werden überdies separat subventioniert. Weitere Zuschüsse sind hier nicht aufgelistet.

Hoch subventionierte Schafe zu halten lohnt sich also, denn die Tiere bringen nicht nur sicheres Geld, sie geben auch nicht viel zu tun. Nun bitte kein empörtes Geschrei, liebe Schafhalter, denn der eindrücklichste Beweis dieser Tatsache ist, dass Ihr Eure (meine) Tiere tage-, manchmal auch wochenlang unbeaufsichtigt grasen lässt. In seltenen, dafür aber medienwirksamen Fällen so lange, bis sie der Wolf frisst.

Und das ist dann eigentlich ein Glücksfall (Schafe sind hier anderer Meinung), denn nun entschädigt der Bund den betroffenen Halter mit bis zu 2000 Franken - mehr, als er für das Tier samt Wolle sonst wo jemals bekommen würde.

Nun eine kurze und gewiss auch etwas vereinfachte Zusammenfassung der Fakten: Frisst ein Wolf eines der von meinen Steuern längst bezahlten Schafe, bekommt der betroffene Schafhalter von mir nochmals Geld. Aus meiner Sicht ist die Sache somit erledigt - und weil ich für mehr Natur und somit auch für mehr Raubtiere bin, erlaube ich hiermit dem Wolf ausdrücklich, auch weiterhin ab und zu eines meiner Schafe zu reissen. Ich habe Geld schon blöder ausgegeben. Und sollten unter den Wolfsrissen auch noch einige Kühe mit dabei sein, so bitte ich nicht zu vergessen, dass ich diese auch schon längst bezahlt habe, und dass wir in der Schweiz sowieso zu viele Milchkühe haben.

Fotos: peupleloup / flickr / cc, Tambako the Jaguar / flickr / cc, glasseyes view / flickr / cc

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BundGeldHalterSchafSchafbesitzerSchweizSubventionTiereWolfZuschuss

Heureka

Andres Jordi | Dienstag, 03.08.2010

Nein, ich lag nicht wie Archimedes in der Badewanne, in der ihm eine Erleuchtung Auftrieb verlieh, als sich die meinige manifestierte. Trotzdem meine ich, für ein Problem, dass mich seit einiger Zeit umtreibt, eine physikalische Lösung gefunden zu haben. Ich fragte mich nämlich des Öfteren, wieso eigentlich Worte, Worte, Worte, die wir an dieser Stelle hier jeweils schonungslos direkt und schnörkellos gerade in den Internetäther auswerfen, die Adressaten – Sie, geschätzte Kommentatoren und Mitbloggerinnen – oft so spärlich erreichen. Oder in der Umkehrung: Warum erreicht Ihr, wie ich annehme, vielstimmiges Echo auf unser Rufe, über das, was unsere Welt bewegt, unsere Ohren oder Augen so selten?

Es ist ein Problem der Relativität von Bewegung und Perspektive, ist mir plötzlich aufgegangen, und hat mit der Erdrotation zu tun: Wir haben Sie im Visier, wenn wir unsere Worte gradewegs losschicken und bedenken nicht, dass Sie sich in der Zwischenzeit – infolge der Erdrotation – bewegen und unsere Botschaften deshalb ins Leere fliegen, dorthin wo Sie einmal waren und nicht mehr sind. Aus Ihrer Warte betrachtet fliegen unsere Worte nicht in direkter Linie zu Ihnen, sondern verlaufen in gekrümmter Bahn – weg von Ihnen. Und das nehmen Sie wahrscheinlich persönlich.

Physikalisch gesehen steckt dahinter die so genannte Coriolis-Kraft. Das habe ich jetzt verstanden. Und drum kommt's nicht an – nicht wir bei Ihnen und nicht Sie bei uns. Vielleicht sollten wir anders miteinander kommunizieren.

Fotos: Sanne Roemen / flickr / cc, aturkus / flickr / cc


Von Emos, Wichsern und huere Siechen

Markus Kellenberger | Donnerstag, 15.07.2010

Die Sommerferien sind da - und damit auch das übliche Sommerferientheater.

 "Du Siech, bisch Du i mim Zimmer gsi?"

"Ja! Will Du Behinderete mini Micky Maus-Heftli klauet hesch!"

"Stimmt nid, Fettsack, Du hesch mir die gäh!"

"Ich überhoupt nid wahr. Du Arsch hesch mir die eifach gnoh!"

"Säg das nomou, Du Gigu!"

"Sälber Wichser!"

Wildes Gerangel. Uff, puff, knuff!

(Auftritt Vater)

"Hey, hey Giele. Was söll das? Löt änanger lagah. Ufhöre! Ufhöre, han ig gseit. UFHÖRE! ODER MUES IG WIEDER LUT WÄRDE?!"

"Dä huere Siech het aagfange!"

"Dä huere Tubel het aagfange!"

Uff, knuff, puff!

"Ufhöre, han ig gseit! (mit pädagogischer Stimme) Also! Um was geits"

"Arschloch!"

"Wichser"

Puff, knuff, uff!

"So geits nid! UFHÖRE, GOPFERTAMMI, AB ID ZIMMER - UND RUHE, ABER SOFORT!"

(Wütender Abgang der Buben)

(Der Kleine, mit Tränen in den Augen)

"Dir giben ig nie meh es Heftli!"

(Der Grosse, mit ohrfeigenwürdigem Grinsen)

"Emo, Emo!"

"ID ZIMMER! HAN IG GSEIT! UND RUEH!"

(Auftritt Mutter)

"Was isch los?

(Vater und Söhne)

"Nüt, nüt!"

Geht bei Ihnen bisweilen auch die Post derart ab. Oder sind wir bereits ein Fall für die Super-Nanny?

Fotos: Aislinn Ritchi / flickr / cc, Lida Rose / flickr / cc, Hamed Saber / flickr / cc, DragonDrop / flickr / cc

Tags (Stichworte): GerangelGeschreiKinderStreitVater

Sonne, Sex und Rock'n'Roll

| Donnerstag, 08.07.2010

Aaaaah, diese Hitze. Ich habs einfach gern. Mag meinen Schweiss, der in Strömen strömt, das Flirren der Luft, das gewaltige Türmen der Wolken, das Zirpen der Grillen, den Sommer schlechthin.
Ich bin kein Schneemensch, neige eher zu winterlichen Depressionen. Aber sobald die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, geht es auch mit meinem Bio-Rhythmus wieder obsi, der sich eher nach den Jahreszeiten als nach den Monaten richtet.

Kaum ist es hell und warm, ändert sich auch meine Musikauswahl. Herrschen im Winter eher dunkle Klänge und Gesänge vor, beispielsweise Leonard Cohen, höre ich im Sommer am liebsten Swing à la Andrews Sisters und Benny Goodmann. 70 Jahre alt ist diese Musik und sie macht mich tanzen und singen. Und sie erinnert mich daran, dass sich die Generationen vor mir auch schon aus schrägen und schrillen Jugendlichen zusammensetzte. Das gilt auch für Rock'n'Roll. Eigentlich ein lauer Schmus, den dieser Elvis von sich gesondert hat - aber meine Mutter hat ihn geliebt. Und sie hat, noch bevor sie mir den Rhythmus weitervererbte, einen Rock'n'Roll-Tanz-Wettbewerb gewonnen. Irgendwo im Berner Oberland. In irgend einer Halbstarken-Beiz, die den Alten bestimmt ein Dorn im Auge war. Ich bin eigentlich eher die Rocker-Generation. Smoke on the Water und so, aber auch ein bisschen im Hippie-Groove daheim. Donovan und eine gute Tüte…aber das geht Sie gar nichts an. Was ich nämlich einfach sagen wollte, ist dies: Sonne, gute Musik und die Wärme wecken in mir die unbändige Lust nach Outdoor-Sex. Gruusig? Nein! Das nenne ich "natürlich leben".

Bild: clspeace / flickr / cc

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): MusikRock'n'RollSexSommerSonne


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