Tagesgespräch
Markus Kellenberger | Donnerstag, 18.02.2010
Schweizerinnen und Schweizer sind ein ganz besonderes Volk. Eines, dem es im Vergleich mit vielen andern "huere guet" geht. Trotzdem löst die simple Frage, wie geht’s, meist folgende Antworten aus:
• "Es ist zu kalt!"
• "Es ist zu heiss!"
• "Es war noch nie so schlimm!"
• "Es geht so…!"
• "Immer dieser Nebel!"
• "Immer dieser Regen!"
• "Immer diese Bise!"
• "Früher war alles besser!"
• "Diese Jugend von heute!"
• "Der Winter hört nie auf!"
• "Der Winter ist viel zu kurz!"
• "Ich bin so müde!"
• "Dieser Stress!"
• "Bei uns läufts immer schlechter!"
• "Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht!"
Ich denke mir dann: Mir geht es blendend. Aber aus Rücksicht auf meine Mitmenschen sage ich dann: "Jo! Bei mir auch!"
Was machen wir falsch?
Fotos: MichaelBerenz / flickr / cc, pedrosimoes7 / flickr / cc
Kommentare
Auf "hei, wie gehts", kann man doch problemlos mit "gut, habe eine interessante Aufgabe" antworten. Also: Wo liegt das Problem?
Der Mensch auch hat dieses gewisse Ich-Bewusstsein.
Ich vermute, genau dieses hindert ihn dann vielleicht in solchen Situationen, das zu sagen, was er wirklich denkt. Lieber sagt er das, was alle sagen, in der Eile und dem "unpersönlichen" Small-Talk.
Das Allgemeine. So ist es im Kopf gespeichert.
Wäre dieses Ich-Bewusstsein nicht da, würden wir vermutlich auch keine Überlegungen darüber anstellen, was das Gegenüber von uns denkt und deshalb ohne Umschweife sagen, was wir wirklich denken. Das Richtige wohl. Wir leben mit diesem Bewusstsein und sind auch hinsichtlich geprägt. Also.
Aber natürlich ist in der Schnelle das Allgemeine auch das jene, welches uns nicht aus der Bahn wirft.
Ich vermute daher, dass wir, die hier leben, in dieser Schweiz mit allem was dazugehört, aus lauter "Langeweile" so -Meckerer- geworden sind.
Der Krieg hat uns verschont -gut zu wissen- ein wenig gestreift, den Hunger haben wir mit gestärkter Eidgenossenschaft bewältigt. Die Berge haben uns vor Fluten und anderen Ungezeiten verschont (und tun es noch....) und als Draufgabe den "Fön" geliefert, der Schuldige jeder körperlichen Misslage. Nicht der Wohlstand trägt daran Schuld, sondern unser fehlender Mut, das Glück und die Verbohrtheit, nichts aus dem zu machen, was uns gegeben ist, ausser noch mehr Sicherheit und Versteckspiel. Uns fehlt vielleicht einfach der Mut zu mehr...
Nicht der Wohlstand, sondern unser fehlender Mut und die Verbohrtheit, nichts aus dem Glück zu machen, welches uns gegeben ist,
ausser noch mehr Sicherheit und Versteckspiel.
Uns fehlt einfach der Mut zu mehr...
Wär die Welt dann besser? Vielleicht! Aber möglicherweise nicht viel freundlicher.