Im Bereich Naturheilkunde gilt die weit verbreitete Meinung, was aus dem fernen Osten zu uns kommt, ist gut! Und so nehmen viele Ayurveda, Tibetische Medizin, Indianische Rituale und in stark zunehmendem Masse Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM, in Anspruch.
Im Bekanntenkreis höre ich ständig nur wohlwollend lobendes. Pfui die böse Schulmedizin, bravo die lieben Chinesen. Warum diese Einteilung in gut und böse, frage ich dann jeweilen, und bekomme zu hören: «Bei den Chinesen ist alles uraltes Wissen, Tradition, Überlieferung, tausendfach ausprobiert und bewährt. Bei der Schulmedizin ist alles ein einziges Experiment, das Abfüttern der Menschen mit Chemie, deren zweifelhafte Wirkung auf brutalen Tierversuchen basiert.» Nun, zu einem Teil mag das leider stimmen. Aber ist den Freunden der TCM bewusst, dass ausgerechnet wegen der Tradition, wegen der Überlieferung und wegen dem Prinzip des scheinbar Bewährten jährlich mehrere Dutzend Tiger und Nashörner, tausende von Affen und hunderttausende von Schlangen, Skorpionen und Käfer ihr Leben lassen müssen?
In China und vielen andern Ländern, in denen traditionelle Medizin betrieben wird, gehört das Wildern geschützter Tiere zum Alltag. Aberglaube, Heil- und Potenzversprechen und grosse Gewinnspannen führen dazu, dass vom Aussterben bedrohte Lebewesen gnadenlos gemeuchelt und zu irgendwelchen Präparaten verarbeitet werden. Und diese Tatsache darf nicht einfach nur deswegen ausgeblendet werden, weil solche Mittel bei uns nicht erhältlich sind. Wer sich mit Naturheilkunde und den Medizintraditionen ferner Länder befasst, muss auch den unliebsamen Begleiterscheinungen ins Auge schauen.
Bild: © Templermeister / PIXELIO